Das Ende des Lagerdenkens – oder: Wie überlebe ich die political correctness?

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21. Dezember 2011 von lautschriften

Wir kennen diesen Moment alle. Wir sind mit Freunden oder Kollegen am quatschen. Es geht um Politik, Religion, Familie, Sex.

Und plötzlich hat man das sichere Gefühl, dass man seine wahre Meinung jetzt besser nicht sagt, weil man ganz genau weiß:

Das ist nicht politisch korrekt! 

Diese Begrifflichkeit der political correctness geistert andauernd irgendwo herum und meistens wird sie benutzt, wenn jemand sich verteidigen muss, weil er etwas gesagt hat, das nicht in das gängige Meinungsbild passt. Diese Form von Zwang gibt es aber nicht nur im Gesellschafts-Querschnitt, sondern besonders auffällig in den guten alten deutschen Lagern „links“ und „rechts“. So darf ein Linker keinesfalls gegen die Homo-Ehe sprechen und ein Rechter darf nicht gegen die Politik Israels sein. Linke sind Ausländerfreunde, Rechte sind skeptisch bis ausländerfeindlich und so weiter. Doch diese Art von Fronten lösen sich in dem Maß auf, wie auch die Unsinnigkeit von Parteien erkannt werden kann, in denen man Menschen sammelt, die grundsätzlich gegen die Menschen sind, die in einer anderen Partei sind und natürlich, ob es Sinn macht, oder nicht, gegen alle ihre Positionen. Um dieses durchaus natürliche Gruppenverhalten der political correctness zu beschreiben, kann man eigentlich von Mitläufertum sprechen, denn allzu oft steckt keine echte Überzeugung hinter diesem Lagerdenken, sondern der Wunsch, „dazu zu gehören“. Wer möchte schon unter seinen schwulenhassenden Freunden, die gerade einen bösen Witz über Schwule machen, zugeben, dass er eigentlich kein Problem mit Schwulen habe, sondern nur mit deren Verhalten und dass er es differenziert sehe? Oder wenn man sich als Linken sieht und trotzdem den Islam und seine Auswirkungen krtitisiert, dann wird man sich wohl bald von Unverständnis umgeben sehen. Als Grüner die Klimaerwärmung anzweifeln oder Ausländerkriminalität anmahnen? Undenkbar! Darf ich als Deutscher denn die Kriegsschuld Deutschlands anzweifeln, oder als Linker „Mein Kampf“ lesen, um es einfach zu wissen? Und wenn ich Nazis nicht mag, aber auch keine Antifas, die friedliche rechstextreme Demonstranten attackieren, behindern und anpöbeln? Oder ich denke, dass Keuschheit eine Tugend ist und finde es nicht gut, wenn Frauen zu aufreizend sind? Wer bestimmt, was ein Mensch denken darf und wer hat das Recht, diesem Menschen für eine Ansicht, die keine Gewalt preist oder zu Mord aufruft, zu verurteilen? Political correctness kann nur bestehen, weil es Menschen gibt, die denken, sie haben die Weisheit mit Löffeln gefressen, was ja eigentlich die meisten Menschen denken, die eine Meinung zu etwas haben, und einige haben tatsächlich den Anspruch an ihre Mitmenschen, dass diese ebenso denken. Eigentlich eine vollkommen abwegige Erwartung. Es versteckt sich der Wunsch nach Überlegenheit dahinter. Der Wunsch nach geistiger Macht und nach der Hoheit über die Richtung, die eine Gesellschaft nimmt.

Doch in ihrem Extrem ist diese political correctness eine große Gefahr. Als Deutsche erinnern sich einige von uns noch deutlich an das Meinungsgebot in der DDR. Es konnte brenzlig werden, die falsche Ansicht zu haben, „West“-Fernsehen zu schauen und Menschen sind verschwunden, gefoltert worden und wegen ihrer Meinung im Gefängnis gelandet. Unter den Nazis war es ebenso und hier kann man ganz klar das Mittel erkennen, mit dem pol.cor. arbeitet: Angst!

Man hat Angst, nicht gemocht zu werden, wenn man das „Falsche“ sagt. Angst, Freunde zu verlieren oder zu enttäuschen. Angst, verurteilt, eingesperrt oder ausgelacht zu werden. Vielleicht verliert man als Journalist seinen job, wer weiß?

Man hat Angst, als Antisemit, Rassist, Homophober, Intoleranter oder als reaktionär, naiv, paranoid, aufsässig, streitlustig und/oder alles zusammen zu gelten. Je nach Perspektive des Gegenübers wird man dann pädagogisch geläutert, gehasst, bedroht oder belächelt, was immer noch die beste Version ist.

Machen Sie doch einmal ein Experiment. Sie gehen zu ihren Freunden, die vielleicht linkslastig-grün denken und machen folgende Äußerung:

Ich habe mir viel Zeit genommen, mir auch die Argumente der Revisionisten des holocaust anzusehen und ich glaube heute nicht mehr, dass sechs Millionen Juden vergast wurden. Ja, ich glaube nicht mehr, dass überhaupt vergast wurde und dafür kann ich Nachweise liefern.“

Ob sie nun Recht haben damit oder nicht, sei jetzt erstmal zweitrangig. Denn Sie werfen ja lediglich die vollkommen politisch unkorrekte These in den Raum, dass an der offiziellen Geschichte des holocaust etwas nicht stimmen könnte.

Sie werden nun wahrscheinlich die volle Wucht der political correctness erfahren, denn, Ihre Freunde sind nun einmal in der Mehrheit. Diese haben Ihr Wissen, dass sie für vollkommen oder doch zumindest moralisch überlegen halten und sie werden Sie spüren lassen, dass sie nun ein Rechtsextremer sind und gedanklich dem Nationalsozialismus nahe stehen. Sie werden es tun, auch wenn sie es nicht sagen, denn so sind sie konditioniert. In gewissen Kreisen dürfen sie auch nicht das Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern in Frage stellen oder in anderen Kreisen dann eben das Verhalten der Palästinenser! So oder so! Sie sind immer irgendwo aufgeschmissen, es sei denn, alle Menschen würden immer gleich denken!

Was macht also ein komplett rückgratloser Mensch? Er wird mit dem Strom schwimmen und nicht anecken, mag er auch ahnen und wissen, dass es nicht richtig sein kann, gegen sein eigenes Wissen zu sprechen, um irgendwen zu befriedigen, keine Nachteile zu haben oder eine Scheinharmonie aufrecht zu erhalten. Wahrheit bleibt doch Wahrheit. Und ihre Ergründung wird immer unangenehme Fragen beinhalten, die beantwortet werden wollen.

In Deutschland, wie gerade schon schön gezeigt und ich weiß genau, welche Gedanken die meisten von Ihnen beim lesen der Zeilen über den holocaust hatten, haben wir auch heute ein ganz großes, angstbesetztes Thema, neben vielen anderen. Den Islam und seine Lehren und auch deren Auswirkungen auf unseren heutigen Alltag. Dass dies nicht nur ein deutsches Problem ist, zeigt der Fall einer Österreicherin namens Elisabeth Sabaditsch-Wolff, die es wagte, historisch vollkommen unumstrittene Tatsachen des Islam herauszustellen. Sie nannte Mohammed einen Pädophilen, weil er seine „Frau“ Aisha im Alter von sechs Jahren geheiratet und im Alter von neun Jahren die Ehe mit ihr vollzogen hat, was übrigens auch heute von Moslems praktiziert wird und als islamisch akzeptables Alter zum Vollzug der Ehe gilt.

Mit ihrer Aussage lag Frau Sabaditsch-Wolff natürlich vollkommen richtig. Man sollte nun meinen, dass sich nur wieder die üblichen Verdächtigen schwerst beleidigt fühlen und diese Frau bedrohen oder vielleicht sogar attackieren. Bei den Mohammed-Karikaturen konnten wir ja gut sehen, was passiert, wenn man den „Propheten“ Mohammed kritisiert. Doch das ist dieses Mal nicht, was wirklich heraustach in dieser Angelegenheit, denn im Februar 2011 nun wurde Frau Sabaditsch-Wolff zur Zahlung einer Geldstrafe von 480 Euro verknackt oder ersatzweise Gefängnis. Am 20.12.2011 wurde dieses Urteil in einer Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Wien bestätigt. Das bedeutet im Klartext, dass die Frau verurteilt wurde, weil sie gesagt hat, wie es ist.

Ein unfassbarer Vorgang, aber politisch vollkommen korrekt, denn ich denke, die Mehrheit der Gesellschaft würde der Argumentation der Richterin durchaus folgen. An diesem Beispiel kann man gut sehen, wie Freiheit vor Angst weicht und wie das Gefühl, man dürfe bestimmte Dinge nicht sagen, jegliches Grundrecht auf freie Rede, ja, geltendes Landesrecht, außer Kraft setzt. So als ob die Aufklärung an uns vorbeigegangen wäre und sich plötzlich Zeit und Raum auflösen und der Begriff der Freiheit durch eine einzelne Person, eine österreichische Richterin, für einen schrecklichen Moment aufgelöst werden könne!

Wie sagten der bekannte Aufklärer Voltaire und würde er der Richterin vielleicht entgegen rufen: „Ich will verdammen, was Du sagst, doch ich will mein Leben dafür geben, dass Du es sagen kannst!“ Oder vielleicht würde Kant sagen:

Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Warum sollte Mut dazu gehören, wenn es nicht um das Aussprechen von Gedanken geht, die unkonform, unbequem und revolutionär sind? In dem Spannungsfeld der Aggression, die entsteht, wenn ungewünschte Gedanken sich Bahn brechen, liegt die Chance auf eine Veränderung der Beteiligten zu mehr Wissen, mehr Offenheit und mehr Miteinander. Die Meinung eines Menschen zum Anlass zu nehmen, ihn zu hassen, zu verfolgen und zu verachten, zu belächeln oder nicht ernst zu nehmen, ist die eigentliche Mauer, die gebaut wird, nicht die unbequeme Aussage. Einigkeit kann es unter Menschen nur geben, wenn die Erkenntnis reift, dass wir Menschen im Allgemeinen letztendlich alle die gleichen Bedürfnisse, Träume und Wünsche haben und wenn wir begreifen, welche dieser Wünsche der Menschheit nicht dienlich sind, egal ob sie das label „Islam“ , „Faschismus“ , „Rassismus“, „Klimareligion“ oder anderer verirrter Ideologien tragen. Die Suche nach Wahrheit und die Unterscheidung nach „schädlich“ oder „nützlich“ sind universale menschliche Bestrebungen und ein diffuses, emotionales und irrationales Befolgen eines Gedankens, der uns mit Angst erpresst und mit Harmonie belohnt, wenn wir ihn fast unreflektiert als unseren eigenen akzeptieren und gegen jede anders lautende Ansicht verteidigen, ob es Sinn macht, oder nicht, ist die Feindschaft einer freien Welt. Dieses Thema finden wir in der Literatur oft, etwa im Buch „1984“ von George Orwell, in dem die political correctness und die allgemein akzeptierte Lüge schlussendlich auch dazu führt, dass die Sprache vom „großen Bruder“ so verändert wird, bis „Krieg“ endlich „Frieden“ heißt und „Sklaverei“ „ Freiheit“. Wie real diese Gefahr ist können wir am Beispiel der verurteilten Österreicherin sehen oder eben an besagter DDR, die dem Orwellschen Modell einer Gesellschaft unter voller Kontrolle schon ziemlich nah kam. Dies zu verhindern, ist eine alltägliche Aufgabe, denn es ist kein Zufall, wenn man über bestimmte Themen nicht mehr reden darf, ohne schief angesehen zu werden, sondern es ist eine Entwicklung mit einem Ziel. Wenn es aber erst an dem Punkt ist, dass man bestimmte Dinge nicht mehr sagen darf, ohne um sein Leben zu fürchten, dann ist die Gefahr schon mitten in der Gesellschaft. Wir können solche Entwicklungen heute ganz klar sehen! Im Sinne der Freiheit muss man dagegen angehen, vollkommen egal, als was man dann unter seinen Mitmenschen gilt, denn dieses höhere Ziel ist nicht mehr oder weniger, als eine Gesellschaft, in der es sich auch in Zukunft lohnt, zu leben.

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